Kurzfilmfestival Köln UNLIMITED 2014


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IHRE ZEITUNGEN

Harun Farocki
Deutschland 1968, 17‘, 16mm, s/w


Produktion: DFFB, Berlin-West
Regie-Assistenz: Helke Sander
Buch: Harun Farocki
Schnitt: Harun Farocki
Kamera: Skip Norman
Ton: Ulrich Knaudt

Synopsis

Dieser Film ist im Kontext der studentischen Kampagnen zur Enteignung des Springer-Konzerns entstanden. Was können wir tun? Lenins Frage leitet den Schlussteil ein: das Lob der kämpfenden Kollektive. Eine studentische Kommune bereitet ihre Agitationsarbeit vor. Der Bildaufbau zitiert Godards Film „La Chinoise“, der 1968 in die Kinos kam; der Dialog lehnt sich an Brechts Lehrstücke an. [...]

Am Ende schneiden die revolutionären Studenten Papier zurecht und wickeln darin Berliner Pflastersteine ein. Das Papier macht die Schere stumpf. Papier wickelt den Stein ein. Das Papier diktiert dem Stein die Richtung. In der Abblende ist das Klirren von Scheiben zu hören. Ende des Films. Papier Schere Stein: Dieses Bild läßt sich fortspinnen.

Eine Triade voller Aporien, in der das eine Ding das andere widerlegt, bis es vom dritten in den Schwanz gebissen wird. Jedes Ding wird von einem anderen dementiert und kann doch überleben. Das kämpfende Kollektiv ist eine ungeheure Produktionskraft, sagt Farocki in Ihre Zeitungen. Aber in der schönsten und witzigsten Szene des Films inszeniert er sich doch lieber selbst als sportlich trainierten Einzelkämpfer in eng anliegender Ledermontur. (Klaus Kreimeier)